Aus der Vereinsgeschichte

Zur Geschichte der »Queekespiere«
(von Hein Ries, unserem "Queekenpap")

Als die Keppelner Karnevalisten am Sonntag, dem 6. November und am Samstag dem 12. November 1960 aus Anlass des 11 jährigen Bestehens im ehemaligen Saale des Wirtes Theodor Hellmann unter der Präsidentschaft von Gerd Arts und Erwin Aymann ihr 11 jähriges Bestehen feierten, gaben sie ein den damaligen Verhältnissen angepasstes bescheidenes Heftchen heraus, in dem neben einer Programmfolge unter der Überschrift »Unser Lebenslauf« folgendes zu lesen war:

„Die Anfänge karnevalistischer Veranstaltungen in Keppeln, wenn man sie damals so nennen konnte, gehen zurück bis in das Jahr 1929, als Theodor Hoffmann und Heinrich Ries sen. beim Fastnachtsball des Musikvereines im Saale Roghmann in die Bütt stiegen. Der 2.Weltkrieg unterbrach dann diese bescheidene Entwicklung. Nach dem Kriege, als der Sportverein „Fortuna“ am Karnevalssamstag sein Winterfest feierte, wurde dieses mit humoristischen Einlagen gewürzt. 1948 kamen zum ersten Male einige Freunde des Karnevals zusammen, um ein kleines Programm zu erstellen Da die Bühne bei Hellmann noch als Schlafzimmer diente, baute man in der Tür zwischen Wirtschaftsraum und Saal eine provisorische Bühne auf.

Die »Gemeinderatssitzung« in der Besetzung Erwin Aymann, Josef Martens, Gerhard Haurand jr., Theo Hermsen und Peter Coenen ist sicher noch einigen in Erinnerung. (Noch in Ablichtung und auf Diskette vorhanden) Nun ging es Schlag auf Schlag. 1949 mit einem Elferrat, der meistens nur zur Hälfte auf der Bühne saß, da Elferratsmitglieder gleichzeitig auch Büttenredner waren. Man gab sich den Namen »Queekespiere« in Anlehnung an das heimatliche Gewächs. 1950 kam als Träger der Veranstaltungen neben dem Sportverein auch der Musikverein hinzu, und eine zweite Sitzung am Rosenmontag musste eingelegt werden, um alle interessierten Dorfbewohner an den Sitzungen teilnehmen zu lassen.

Zweimal Aymann (Erwin und Werner), dreimal Arts (Gerhard Hans und Alfred) dreimal Ries (Heinrich sen. Heinrich jr. und Josef) der unverwüstliche Theo Hoffmann und die Sänger Karl Hartmann, Alois Opgenohrt, Willi Billion , Hein Gellings und der Organist und Küster Rudi Otten waren die Stützen der Gesellschaft. In diesen Zeitraum fällt auch die unvergessliche Sitzung bei Koppers an der Landwehr, auf der die »Queekespiere« die Patenschaft für die »Lambärße Bäre« übernahmen Zur damaligen Zeit war Erwin Aymann Präsident, der später von Gerd Arts abgelöst wurde. Auf den Kindersitzungen, jeweils am Rosenmontagmorgen, in bester Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft konnte man feststellen, dass man um den Nachwuchs nicht besorgt sein brauchte. Eine feste Freundschaft verbindet seitdem die »Queekespiere« mit der Gruppe »Fidelitas« der Uedemer Kolpingfamilie.

Heute beim 11 jährigen Jubiläum sind alle Posten auf dem Narrenschiff der Gesellschaft mit Gerd Arts, Heinrich Ries jr., Karl Hartmann, Josef Ries, Willi Billion, Adolf Hartmann, Josef van Afferden, Johannes Wessels, Karl Heinz Janhsen, Johannes Kösters und Johannes van Gemmeren bestens besetzt. Und so hoffen wir, dass wir wie in den Vorjahren alle Voraussetzungen dafür haben, ein gutes Programm reibungslos ablaufen zu lassen.

Keppeln, im November 1960   

 

Nachstehend das oben erwähnte Jubiläumsprogramm:

1. Kölsche Tön .

2. Gesammelte Werke

3. Rondgang dör dij Gemeend

4. Potpouree

5. Reportage

6. Alleen in't Hüß

7. Minnen Scholltid

8. Reckesohme

9. Pitt on Pott

10. Potpouree

 

Schon ab 1951 fand am Rosenmontag in Verbindung mit dem Schulkollegium unter Hauptlehrer Alois Schönberner ein Kinderkarnevalszug durch den Ort statt, der mit einer Sitzung, die von Schülerinnen und Schülern gestaltet wurde, im Saale Hellmann endete. Auch Schönberners Nachfolger, Hauptlehrer Adolf Rütz, übernahm ab 1955 diese schöne Gewohnheit, die aber nach 1961 nur noch als Umzug bis 1964 fortgesetzt wurde.

Auch die Sitzungen der Erwachsenen wurden danach eingestellt, weil die Besucherzahl wegen der Saalverhältnisse immer mehr abgenommen hatte. Erst als in 1964 eine Gruppe von Nachbarn der Steinstrasse den Zwist zwischen den nebeneinander wohnenden Familien van Well und Blanke zum Anlass nahmen, diesen Umstand auf einem Wagen in lustig-mahnender Art darzustellen, und damit am Rosenmontagstag durch das Dorf zu ziehen, war das Interesse der Keppelner an einer, nun auch von Ortsvereinen und Gruppen getragenen Fortsetzung der karnevalistischen Tradition geweckt.

Auf einer Versammlung am 21. Januar 1965 erläuterte Hermann Elsing (Initiator der 64er Gruppe) seinen Plan, die Karnevalsgesellschaft, die bis dahin vom Sport- und Musikverein getragen wurde, durch eine Mitgliederwerbung und die Unterstützung der Dorfvereine zu einer Dachorganisation in Sachen Karneval zu erweitern. Wenn der nun im Bau befindliche Saal der neuerbauten Gaststätte Hellmann-Tenelsen in 1966 bezugsfertig sei, könnten dort auch wieder Sitzungen stattfinden, und der Elferrat aus Vertretern der Vereine und Gruppen bestehen.

So zog nun zunächst am Rosenmontag 1965 der erste offizielle Zug durch das Dorf, dessen Besucherzahl auf ca. 1.000 Zuschauer geschätzt wurde. In der Karnevalssession 1966 fanden im Saal des so genannten »Blauen Bock« dann wieder zwei Sitzungen statt. Da die Mitgliederzahl ständig wuchs, erhöhte sich der Mitgliederstand von November 1965 bis März 1966 von 50 auf 210. In der Session 1971 wurde zu drei Sitzungen eingeladen, die in 1973 auf vier erhöht werden mussten.

Als die Zahl der Beitrittswilligen auf gut 350 anstieg, und die älteren Jahrgänge lieber an einem Sonntagnachmittag mit etwas mehr Bewegungsfreiheit das Karnevalsspektakel erleben wollten, wurde 1994 zusätzlich die Nachmittags- oder Seniorensitzung eingeführt. Die Schließung der Gaststätte Tenelsen im Herbst 1999, nach dem Goldenen Geburtstag der Gesellschaft, ließ dank guter Vorausplanung des »Trägervereines Bürgerbegegnungsstätte« für eine weitere Möglichkeit karnevalistischer Tätigkeit keine Fragen offen, denn die Arbeiten am Umbau der ehemaligen Volksschule zu einem neuen Heim für die Ortsvereine und Gruppen waren zügig angelaufen.

Die Sitzungen der Session 2000 wurden an zwei Abenden im Festzelt auf dem Schulgelände , das seit einigen Jahren an zwei Abenden für den Möhneball und die Disco, und am Rosenmontag für den Karnevalsausklang aufgestellt wird, durchgeführt. Hier waren jeweils 500 Gäste bei guter Innentemperatur mit der karnevalistischen Improvisation zufrieden.

Schließlich war dann in 2001 die Premiere in der BBST. »Zur Dorfschule« mit nun wieder einer Nachmittags- und drei Abendsitzungen. Das neue Heim mit all seinen Annehmlichkeiten wie die Umkleideräume, separate Toiletten, verbesserter Beschallung und Beleuchtung und natürlich dem großzügig gebauten Saal, ist nun endlich der optimale Standort für die Akteure und die Besucher der »Käppelzen Fastelowend«.

Von den Anfängen und der Entwicklung nun zu den Programmen, soweit sie vorhanden sind, denn aus der Zeit von 1949 bis 1966 haben wir außer dem Sitzungsverlauf in 1960 nur die Abfolge der Sitzungen in 1952 und 1953. Überliefert sind allerdings alle Mottos ab 1950. Hier hieß es dann: »Fastelowend op hooge Tuure, Lastenausgleich för Menze on Buure.«

1951:» Aß wej ok twaale dör dänn Mott, sej kriegen ons nit kapot«.

Aus dem Jahre 1952 ist das älteste noch existierende Programm erhalten. Es steht unter dem Motto: »Sej worden ömmer gäcker, on koope sich ennen Trecker«.

1. Van det on dat, Käppele on Ühm

2. Blank- maake, för dij Europa-Armee

3. Gemeindediener Knoll

4. Pappa sinnen Beste

5. Potpouree

6. Bäbbel Fretzke

7. Pitt on Pott

8. Buureproot.

 

Das Programm 1953 steht unter dem Leitsatz: »Lange Leitung, Loft on Waater, mär dij Reknung, dij kömmt laater«.

1. Prömmel Jan

2. Mannslüj on Frauwlüj

3. Ratsherrentagung

4. Potpouree

5. Knoll

6. Politik- hoch hinaus

7. Üt et Buurekestke.

Die übrigen, mit Erläuterungen versehenen Mottos sind noch gesondert aufgelistet. Es sei jedoch erwähnt, dass diese in vielen Fällen die wirtschaftliche Entwicklung und das politische Geschehen in der Republik zum Aufhänger haben. Ab 1966 sind sie jedoch hier auch den Programmen voraufgestellt.

Mit der letzten Sitzung am 13. Februar im Jahre 1999 mussten sich die »Queekespiere« von ihrer seit 1949 genutzten Tagungsstätte Hellmann/Tenelsen verabschieden, da die Vereinswirtin am 1. Oktobersamstag 1999 ihre Gaststätte mit dem seit 1966 genutzten neuen Saal schloss und verkaufte. Nun begannen die Überlegungen, wo wird in 2000 gefeiert?

Hier das Ergebnis: „Ons gäcke Wält, es van det Johr in't Zält!“

Präsidenten je zwei Mal zwei: 25. 02:  Robert Terheiden/ Olaf Kösters. 04. 03.: Olaf Kösters/Robert Terheiden.

Da in der heißen Phase des Karnevals: ab dem Möhnetag (Donnerstag) bis zum Veil-chendienstag auf dem Rasen vor der ehemaligen Volkschule ein Zelt für die Tanz- und Discoveranstaltungen aufgebaut ist, konnten wir an den beiden Samstagen vor Karneval dieses für unsere Sitzungen benutzen. Es fasste jeweils 500 Besucher, so dass unser Bedarf damit gedeckt war. Diese neue Dimension in Länge und Breite war für uns ein un-gewohntes Erlebnis, das aber gleichzeitig auch organisatorische Neuerungen nötig machte.

Auf der Sitzung am 4. März wurde Johannes Wessels nach über 40 Jahren Bühnentätigkeit in den karnevalistischen Ruhestand verabschiedet, und eine neue Ordensserie aufgelegt, auf der die Embleme der Keppelner Vereine und Gruppen dargestellt werden. Die erste Auflage war dem Trägerverein »Bürgerbegegnungsstätte« gewidmet.

Auf der 3. Abendsitzung des Jahres 2001 wurde nach über 40 Jahren Bühnentätigkeit Hein Terheiden in den musikalischen Ruhestand verabschiedet.